Der Theologe (1/1)...
... und Prediger (2/2)
Der Theologe (1/1)...

... und Prediger (2/2)

Aus der Antrittspredigt (Auffahrt 1829)
Zum freien Geschöpf wurde der Mensch geschaffen, er konnte böser Gewalt sich hingeben oder vom Vater sich ziehen lassen. Obgleich nun das erstere geschah, nahm doch Gott die angeborene Freiheit nicht zurück.
Viele wollen ihren Weg machen, sei es, dass sie reich zu werden suchen oder zu Amt und Ehre zu kommen. Sie lesen nur im Buch des Lebens. Nun ist ihnen nur das wichtig, was hierauf Bezug hat, ihre Gedanken drehen sich allein um diesen Punkt, und ihre Gewissenhaftigkeit, Redlichkeit und Freimütigkeit werden in gar künstliches Verhältnis zu ihren Absichten gesetzt.
Vielen ist ihre eigene Person der werte Mittelpunkt, auf den sie alles beziehen, die sie zu den Angeln machen möchten, um die sich alle ihre Umgebungen drehen, auf die jedes Auge mit der grössten Aufmerksamkeit gerichtet sein sollte.
So leben die meisten Menschen an die Erde gebunden, denn das, was ihre Seele erfüllt und in Bewegung setzt, bezieht sich auf die Erde und zieht sie zur Erde, und wenn sie auch sogenannte Christen sind, so ist ihnen Gott doch fremd und fern, ihr Geist ist nicht auf ihn gerichtet. Nach Christi Willen aber soll nun Gott dieser Mittelpunkt werden im Menschen, um den sich alles bewegt und der alles in Tätigkeit setzt, das in jedem Menschen eigentümlich liegende Göttliche soll sich beleben und in immer engere Gemeinschaft mit Gott treten.
Ist nun nichts Irdisches mehr, was des Menschen Hauptsache ist, sondern ist Gott lebendig geworden in ihm, dann ist er frei. Alles Äussere hat dann nicht mehr Wert für sich. Reichtum, Armut und Vornehmsein - jedes ist eine Bürde. So verachtet der Reiche den Armen nicht mehr und tut sich zu gut auf seinen Reichtum. Er weiss, dass er dem gleichen Gott zuwandert, und das höchste Gut, Gott selbst, so sicher besitzt als er. Jeder ist ein Bruder dem anderen, trägt seine eigene Last und mit Lust und Freude, welche sie auch sei und hilft dem anderen seine erleichtern. In Gott finden sich alle zusammen, darum wird auch ihr Zusammenleben durch die göttliche Liebe himmlischer.

Aus der Bettagspredigt (9. September 1830)
Es ist unter uns nicht, wie es sein sollte, wir erscheinen nicht wie das Volk Gottes: wir lieben vor allem uns selbst.
Gott hat in diesem Jahr manche mit reichem Auskommen gesegnet, viel Wohlstand unter uns erhalten - aber seine Güte wird ihm nicht verdankt; die Lebensbedürfnisse sind nicht teurer geworden, aber eine Menge neuer Bedürfnisse haben sich eingeschlichen; es sucht ein jeder, in seiner Lebenshaltung mit der Umgebung Schritt zu halten, was einer hat, will der andere auch, man wetteifert, beim öffentlichen Erscheinen würde man fast alle für reich halten. Sie brauchen viel und immer mehr, mitmachen kann man nicht ohne Geld, man wird ein Sklave seines Lebensstandes und gezwungen, allem aufzubieten, um zu Gönnern und durch sie zu Geld zu kommen, sich selbst zu verleugnen.
Darum ist Verblendung unter euch, darum: bekehrt euch!

Aus der Abschiedspredigt (5. Dezember 1830)
Ja, lasst es mich frei sagen, dass ich meine Gaben hoch schätze, denn ihr Besitz ist nicht mein Verdienst, sondern sie sind ein Geschenk; darum werde ich sie auch nie verkaufen um Geld oder Gunst, sondern sie anzuwenden suchen zu der Ehre dessen, der sie mir gegeben hat. Die Treue in dieser Anwendung und die weise Bescheidenheit in der Wahl derselben allein sind mein.
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